Ratgeber

Ölziehen

In der traditionellen ayurvedischen Medizin ist die Verwendung von Ölen eine gängige Methode. Ob Stirnguss, Ölmassagen oder Spülen mit Öl – oft mit Kräuterzusätzen: Ayurvedische Mediziner sind überzeugt, dass Öl ein unverzichtbarer Bestandteil der reinigenden und heilenden Therapie ist.

Ölziehen (auch Ölkur oder Ölsaugen genannt) ist eine Ausleitmethode, bei der Öl (z. B. Kokos-, Sesam- oder Sonnenblumenöl) in den Mund genommen und für 10–20 Minuten durch die Zähne gezogen und hin und her bewegt wird, bevor man es ausgespuckt.

Die Fürsprecher des Ölziehens sehen die Vorteile bei der Behandlung von Kopf- und Zahnschmerzen, Hauterkrankungen, Rheuma, Arthrose, Blasen- und Nierenleiden. Trotz fehlender wissenschaftlicher Beweise ist Ölziehen in der Alternativmedizin weit verbreitet. Viele Anwender berichten über die positiven Effekte.

Ölziehen für die Mundgesundheit

Besonders PatientInnen mit Krebserkrankungen im Mund-Rachen-Raum, Magen-Darm-Trakt, Leber oder Nieren klagen häufig über Mundgeruch. Chemotherapien oder Bestrahlungen verändern die Schleimhäute und bilden somit einen unheilvollen Nährboden für Keime. Diese setzen Gase frei, so dass Mundgeruch entsteht.

Das Ölziehen soll vor allem dabei helfen, Bakterien, Toxine und andere schädliche Stoffe aus der Mundhöhle zu binden und zu entfernen. Es gibt keine eindeutigen wissenschaftlichen Beweise, allerdings einige Erklärungen, wie das Öl wirken könnte. Das Öl verbindet sich mit den fettlöslichen Membranen von Bakterien (wie Streptococcus mutans, einer Hauptursache für Karies und Zahnfleischentzündungen). Das Öl bindet diese Bakterien, die anschließend mit dem ausgespuckten Öl entfernt werden. Studien deuten darauf hin, dass Ölziehen helfen kann, die Anzahl schädlicher Bakterien im Mund zu reduzieren und Zahnbelag zu verringern.

Gleichzeitig massiert und pflegt das Ölziehen das Zahnfleisch, wodurch die Durchblutung gefördert und die Selbstheilung angeregt wird. Einige Anwender berichten sogar von einer aufhellenden Wirkung der Zähne.

Ölziehen zur Entgiftung des Körpers und Unterstützung des Immunsystems

Der Mund ist die erste Station bei der Nahrungsaufnahme und er beinhaltet viele Keime und Bakterien, die allesamt später im Magen-Darm-Trakt landen. Durch das Ölziehen ist der Mundraum bereits „gesäubert“ und somit gelangen weniger Schadstoffe in Magen und Darm. Dies könnte indirekt die Darmflora entlasten und Entzündungsreaktionen im Verdauungstrakt reduzieren.

Die Reduktion von Bakterien und Toxinen im Mund bedeutet weniger Belastung für den Darm und damit eine Verbesserung des Immunsystems. Ein geschwächtes Immunsystem kann Verdauungsprobleme wie Reizdarm oder Entzündungen begünstigen.

Studien zeigen, dass parodontalpathogene (krankmachende) Bakterien aus dem Mund bis in den Darm gelangen und dort Entzündungen auslösen können. Ölziehen könnte also indirekt dazu beitragen, Entzündungsprozesse im Darm zu reduzieren.

Anwendung

Am besten eignen sich Kokosöl, Sesamöl, Olivenöl oder Leinöl in Bioqualität.

  • Vor der Anwendung mit einem Zungenreiniger aus der Apotheke oder dem Drogeriemarkt die Zunge reinigen.
  • Morgens auf nüchternen Magen einen Esslöffel Öl in den Mund nehmen.
  • Das Öl langsam durch die Zähne ziehen und im Mund bewegen, ohne es zu schlucken.
  • Nach 10–20 Minuten ausspucken (am besten in ein Papiertuch, nicht ins Waschbecken, um Verstopfungen zu vermeiden).
  • Mund mit warmem Wasser mehrmals ausspülen und Zähne putzen.

Wichtig zu wissen

  • Das Öl sollte nicht geschluckt werden, da es Bakterien und Toxine enthalten kann.
  • Nicht ersetzen, sondern ergänzen: Ölziehen ist kein Ersatz für Zähneputzen.
  • Geduld haben: Es kann einige Wochen dauern, bis Effekte spürbar werden.

Fazit

Ausprobieren lohnt sich. Ölziehen hat vor allem positive Effekte auf die Mundhygiene und könnte zudem das allgemeine Wohlbefinden unterstützen.

  • Stärkung der Zähne und weniger Karies
  • Bekämpfung von Mundgeruch
  • Vorbeugung gegen Mundtrockenheit und rissige Lippen

Es ist kein Heilmittel für Magen-Darm-Erkrankungen, könnte jedoch eine unterstützende Rolle spielen, indem es die Bakterienbelastung reduziert, Entzündungen hemmt und die Verdauung indirekt unterstützt.