Gesundheit

Osteopathie bei Colitis ulcerosa

„Die Schmerzen im Bauch waren oft kaum auszuhalten. Es gab Tage, an denen ich mich kaum traute, das Haus zu verlassen. Der Gedanke, dass jeder Moment einen neuen Schub auslösen könnte, hat mir jede Lebensfreude genommen. Appetitlosigkeit und ein stetiger Gewichtsverlust machten es noch schlimmer. Auch meine Energie und mein allgemeines Wohlbefinden litten enorm. Als bei mir vor zwei Jahren Colitis ulcerosa diagnostiziert wurde, hat sich mein Leben komplett verändert,“ erzählte Anna, 32 Jahre alt.“

Colitis ulcerosa ist eine entzündliche Darmerkrankung, die das Leben von Betroffenen erheblich beeinflussen kann. Bei dieser Krankheit entzündet sich die Schleimhaut im Dickdarm (Kolon) und verbreitet sich vom Rektum aus nach oben. Viele Patienten suchen nach Möglichkeiten, um die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.

Ursachen: Was begünstigt Colitis ulcerosa?

Die genauen Ursachen von Colitis ulcerosa sind bislang nicht vollständig erforscht. Dennoch haben Wissenschaftler mehrere Faktoren identifiziert, die bei der Entstehung dieser chronisch-entzündlichen Darmerkrankung von Bedeutung sein können. Es erhärten sich Vermutungen, das Autoimmunprozesse im Körper mitverantwortlich sein könnten. Dabei greift das Immunsystem fälschlicherweise die eigenen Darmzellen an, was zu anhaltenden Entzündungen führt. Diese Fehlreaktion des Körpers wird intensiv untersucht, um mögliche Therapieansätze zu finden. Genetische Faktoren scheinen ebenfalls eine bedeutende Rolle zu spielen. Menschen mit einer familiären Vorgeschichte von Colitis ulcerosa haben ein erhöhtes Risiko, selbst zu erkranken. Dies legt nahe, dass erbliche Komponenten an der Krankheitsentwicklung beteiligt sind. Auch Stress und psychische Belastungen könnten Schübe der Erkrankung auslösen oder verstärken. Neu auf der Liste der Verdächtigen ist unsere Ernährung. Ungesunde Essgewohnheiten könnten die Balance der Darmflora stören und das Immunsystem schwächen. Eine ausgewogene Ernährung könnte daher nicht nur die allgemeine Gesundheit fördern, sondern auch das Risiko für Darmerkrankungen verringern.

Obwohl noch viele Fragen offen sind, helfen diese Erkenntnisse dabei, Colitis ulcerosa besser zu verstehen und effektivere Therapien zu entwickeln.

Symptome der Colitis ulcerosa

Typisch für Colitis ulcerosa ist ihr schubweiser Verlauf. Das bedeutet, dass die Betroffenen zwischen Phasen akuter Beschwerden auch beschwerdefreie Phasen erleben können. Die Beschwerden bei Colitis ulcerosa können vielfältig sein und betreffen vor allem den Verdauungstrakt. Dabei beschreiben die Patienten Schmerzen im mittleren Teil des Unterbauchs, die an einigen Tagen bis in die Region des Kreuzbeins ausstrahlen. Als sehr belastend werden die wiederkehrenden, oft schleimig und blutigen Durchfälle beschrieben. Übelkeit und eine daraus resultierende Appetitlosigkeit führen bei vielen Betroffenen auf Dauer zu Gewichtsverlust. Hinzu kommt, dass die entzündeten Darmabschnitte die Nahrung nicht mehr richtig aufnehmen können. Das begünstigt zudem einen Nährstoffmangel.

Wie kann Osteopathie bei der Behandlung von Colitis ulcerosa helfen?

In der osteopathischen Medizin geht es darum, den Körper als Ganzes zu betrachten. Bei Colitis ulcerosa fokussiert sich die osteopathische Therapie vor allem auf das Verdauungssystem, die Durchblutung und den Abbau von Spannungen im Bauchraum. Viszeralosteopathische Techniken können helfen, das Verdauungssystem zu unterstützen und die Beschwerden zu lindern.

So behandeln Osteopathen bei Colitis ulcerosa

Die Osteopathie nutzt verschiedene Techniken, um die Mobilität der inneren Organe zu fördern und die Durchblutung anzuregen. Im Fall der Colitis ulcerosa haben sich einige Behandlungsmethoden als besonders effektiv gezeigt. Auch wenn sich der Zusammenhang auf den ersten Blick nicht sofort zeigt, ist die Behandlung der Leber ein wichtiger Bestandteil der ganzheitlichen Therapie. Die Leber ist ein wichtiges Organ für die Entgiftung des Körpers und spielt somit eine zentrale Rolle im Immunsystem. Duch gezielte Pumptechniken auf der Leber wird die Durchblutung der Leber gefördert und somit auch der Stoffwechsel unterstützt.

Die wiederkehrenden Entzündungen führen zu einer erhöhten Spannung in den Faszien unseres Abdomens. Sogenannte fasziale Release Techniken haben daher das Ziel, Spannungen in den abdominellen Faszien zu lösen. Dies kann die Beweglichkeit der Organe verbessern und die Durchblutung anregen. In diesem Zusammenhang behandeln wir auch das Bauchfell (Peritoneum). Dieses umgibt die inneren Organe und kann durch Entzündungen oder Verklebungen in seiner Beweglichkeit eingeschränkt sein.

Unter Ihrem Brustkorb sitzt das Zwerchfell. Das Zwerchfell ist unser Hauptatemmuskel. Darüber hinaus hat es aber auch einen Einfluss auf die Durchblutung des Bauchraums. Wenn wir das Zwerchfell behandeln, kann dies die Zirkulation im Bauchraum verbessern und die Organe besser mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgen. Neben den bereits genannten Strukturen spielt das vegetative Nervensystem eine zentrale Rolle in osteopathischen Behandlungen. Dabei richtet sich der Fokus besonders auf den Parasympathikus, einen der beiden Hauptzweige des autonomen Nervensystems, der unter anderem die Verdauung fördert.

Ein wichtiger Teil des Parasympathikus ist der Nervus vagus, der 10. Hirnnerv. Dieser Nerv zieht direkt vom Schädel durch den Nacken und beeinflusst nahezu das gesamte Verdauungssystem (s. Abb.). In der osteopathischen Praxis beginnt die Behandlung des Nervus vagus oft am Hinterkopf, genauer gesagt an der Verbindung von Schädel und oberer Halswirbelsäule. Hier liegt ein Zugangspunkt, um Spannungen in den umgebenden Strukturen zu lösen und den Nerv zu stimulieren. Viele Patienten berichten nach einer solchen Behandlung von einem unmittelbaren Gefühl der Entspannung und inneren Ruhe.

Ein weiterer Ansatzpunkt des Parasympathikus ist das Kreuzbein. Hier entspringen parasympathische Nervenfasern, die das letzte Drittel des Dickdarms innervieren. Durch sanfte Mobilisationen im Bereich des Kreuzbeins lassen sich rhythmische Impulse setzen, die das vegetative Gleichgewicht unterstützen können. Die Kombination aus Vagus-Therapie und Kreuzbeinbehandlungen hat das Potenzial, deutliche Effekte auf die Entspannung des Nervensystems und die Funktion der Verdauungsorgane zu erzielen.

Neben dem Parasympathikus rückt in der Behandlung auch der Sympathikus in den Fokus. Diese Nervenfasern verlaufen beidseitig entlang der Wirbelsäule im sogenannten vegetativen Grenzstrang. Um den Sympathikus zu beeinflussen, kommen verschiedene Techniken zum Einsatz. Dazu gehören Muskel- und Faszientechniken, aber auch präzise Justierungen. Die oft mit einem Knackgeräusch verbundenen Justierungen werden im Volksmund häufig als „Einrenken“ bezeichnet – ein Begriff, der jedoch irreführend ist. Tatsächlich sind Wirbel nur in extrem seltenen Fällen „ausgerenkt“. Vielmehr wirken solche Techniken wie ein Reset für das Nervensystem: Sie helfen, Spannungen zu lösen und die Reizleitung neu zu synchronisieren – vergleichbar mit einem Computer, der heruntergefahren und neu gestartet wird.

Was Sie selbst tun können, um Ihre Beschwerden zu lindern

Leben mit Colitis ulcerosa bedeutet nicht nur, sich mit der Erkrankung zu arrangieren, sondern auch aktiv daran zu arbeiten, Schübe zu vermeiden und Beschwerden zu lindern. Zum Glück können Sie selbst einiges tun, um Ihre Lebensqualität zu verbessern! Mit den folgenden Tipps erhalten Sie einfache, umsetzbare Ansätze und erfahren, wie diese Ihren Körper unterstützen.

Ernährungsanpassungen: Ihr Bauch wird es Ihnen danken

Die richtige Ernährung ist bei Colitis ulcerosa entscheidend, da der Darm stark beansprucht ist. Aber was genau hilft?

  • Führen Sie ein Ernährungstagebuch: Schreiben Sie auf, was Sie essen und wie Sie sich danach fühlen. So erkennen Sie schnell, ob bestimmte Lebensmittel Beschwerden wie Durchfall oder Schmerzen auslösen. Häufige "Übeltäter" sind Milchprodukte, glutenhaltige Lebensmittel oder Zuckerbomben wie Süßigkeiten.
    Tipp: Tauschen Sie Milch durch laktosefreie Alternativen oder probieren Sie glutenfreie Produkte aus.
  • Essen Sie leicht Verdauliches: In akuten Schüben sollten Sie ballaststoffarme Lebensmittel wählen. Gekochte Karotten, Kartoffelbrei oder geschälter Reis belasten den Darm weniger und versorgen Sie trotzdem mit Energie.
    Effekt: Diese Nahrungsmittel beruhigen die entzündete Darmschleimhaut und verhindern unnötige Reizungen.
  • Setzen Sie auf Omega-3-Fettsäuren: Diese finden Sie in fettreichem Fisch wie Lachs oder in Leinöl. Omega-3-Fettsäuren wirken entzündungshemmend und können helfen, Schübe zu reduzieren.
    Tipp: Ein Esslöffel Leinöl im Joghurt oder Smoothie lässt sich leicht in den Alltag integrieren.
  • Probiotika zur Unterstützung der Darmflora: Fermentierte Lebensmittel wie Joghurt, Sauerkraut oder Kimchi fördern eine gesunde Darmflora.
    Effekt: Eine stabile Darmflora stärkt die Verdauung und kann die Entzündungsneigung im Darm verringern.

Stress reduzieren: Ihr Darm spürt den Unterschied

Stress kann Colitis-ulcerosa-Symptome verschlimmern – der Darm und das Gehirn sind eng miteinander verbunden. Daher ist es wichtig, sich Zeit für Entspannung zu nehmen.

  • Entspannungstechniken ausprobieren: Yoga, Meditation oder Atemübungen helfen, den Körper und Geist in Einklang zu bringen. Schon 10 Minuten am Tag können einen Unterschied machen.
    Beispiel: Probieren Sie diese einfache Atemübung: Atmen Sie langsam durch die Nase ein, zählen Sie bis vier, halten Sie den Atem für vier Sekunden und atmen Sie dann für sechs Sekunden durch den Mund aus. Wiederholen Sie das fünfmal.
  • Planen Sie Auszeiten: Überforderung und Hektik im Alltag verstärken oft die Beschwerden. Gönnen Sie sich Pausen, auch wenn es nur ein kurzer Spaziergang an der frischen Luft ist.
    Effekt: Stressabbau hilft, den Parasympathikus – den „Entspannungsnerv“ – zu aktivieren. Das unterstützt die Verdauung und kann Schmerzen lindern.

Bewegung tut gut: Aber bitte sanft!

Regelmäßige, moderate Bewegung kann Wunder wirken – nicht nur für Ihren Körper, sondern auch für Ihre Psyche.

  • Sanfte Sportarten bevorzugen: Spaziergänge, Schwimmen oder Yoga sind ideal, um in Bewegung zu bleiben, ohne den Körper zu überfordern.
    Effekt: Bewegung regt die Darmtätigkeit an, ohne den empfindlichen Verdauungstrakt zu belasten, und kann dabei helfen, Entzündungen im Körper zu reduzieren.
  • Hören Sie auf Ihren Körper: Haben Sie einen schlechten Tag? Dann gönnen Sie sich Ruhe. Bewegung sollte immer wohltuend sein, nicht anstrengend.

Schlaf und Erholung: Ihre innere Batterie aufladen

Schlaf ist essenziell für die Regeneration des Körpers. Wer schlecht schläft, riskiert nicht nur mehr Schübe, sondern fühlt sich auch ausgelaugt.

  • Schlafroutine etablieren: Gehen Sie möglichst zur gleichen Zeit ins Bett und vermeiden Sie in der letzten Stunde vor dem Schlafen Bildschirmzeit.
    Effekt: Ausreichend Schlaf stärkt Ihr Immunsystem und hilft dem Körper, Entzündungen zu bekämpfen.
  • Schlafhygiene verbessern: Verdunkeln Sie das Schlafzimmer, sorgen Sie für eine angenehme Temperatur und vermeiden Sie schwere Mahlzeiten direkt vor dem Schlafen.

Austausch und Unterstützung: Gemeinsam ist es leichter

Das Leben mit Colitis ulcerosa kann emotional belastend sein. Der Austausch mit anderen Betroffenen oder Unterstützung von Familie und Freunden kann Ihnen helfen, sich weniger allein zu fühlen.

  • Selbsthilfegruppen: Ob lokal oder online – hier finden Sie Gleichgesinnte, die Ihre Herausforderungen verstehen und Tipps teilen können.

Fazit: Kleine Schritte, große Wirkung – mit Experten an Ihrer Seite

Sie können selbst viel dazu beitragen, Ihre Beschwerden bei Colitis ulcerosa zu lindern. Eine bewusste Ernährung, regelmäßige Bewegung und effektives Stressmanagement schaffen eine stabile Grundlage für Ihr Wohlbefinden. Gleichzeitig ist es wichtig, dass Sie diese Selbsthilfemaßnahmen durch eine professionelle Begleitung ergänzen.

Eine regelmäßige ärztliche Betreuung bleibt essenziell, um den Krankheitsverlauf zu überwachen und Medikamente optimal anzupassen. Osteopathie unterstützt sie zusätzlich. Durch gezielte Techniken lassen sich Spannungen im Bauchraum lösen und das vegetative Nervensystem regulieren, was Ihren Darm zusätzlich entlasten kann.

In Kombination mit diesen Ansätzen und der Unterstützung von Fachleuten können Sie langfristig Ihre Lebensqualität verbessern – Ihr Körper und Ihr Geist werden es Ihnen danken!

Sascha Bade
Osteopath D.O.