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Mehr Energie mit Entsäuerung

Ein ausgeglichener Säure-Basen-Haushalt ist eine wichtige Voraussetzung für einen leistungsfähigen Körper. Eine neue Studie zeigt, welchen Einfluss Säuren und Basen auf die Energiebereitstellung haben.

Die Leistungsfähigkeit des Körpers hängt davon ab, wie gut die Stoffwechselvorgänge aufeinander abgestimmt sind. Für einen reibungslosen Ablauf brauchen die Enzyme, die für die Steuerung des Energiehaushalts zuständig sind, einen stabilen pH-Wert. Verschiedene Puffersysteme sorgen für die Aufrechterhaltung des Blut-pH-Wertes. Voraussetzung für eine gute Pufferkapazität ist das Verhältnis von Säure und Basen. Stimmt es nicht, vermindert sich die Pufferkapazität. Die Stoffwechselvorgänge werden negativ beeinflusst und die Leistungsfähigkeit des Körpers beeinträchtigt.

In einer Doppelblind-Studie des Universitätsklinikums Charité in Berlin wurde untersucht, wie sich eine vierwöchige Einnahme eines Basenpräparates auf den Stoffwechsel allgemein, aber auch lokal im Muskelgewebe auswirkt. 40 gesunde, ältere Frauen und Männer wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine erhielt ein Basenpräparat, die andere Gruppe ein Scheinmedikament (Placebo). Während des Untersuchungszeitraums sollten beide Gruppen sich eher eiweißbetont, also säurelastig, ernähren. Zu Beginn und nach der vierwöchigen Einnahme wurden verschiedene Messungen durchgeführt. Beide Male wurden den Teilnehmern einmal nüchtern (12 Stunden) sowie nach dem Verzehr einer Testmahlzeit (30 Gramm Eiweiß) Proben entnommen.

Verbesserung des Kohlenhydratstoffwechsels

Bei den Blutwerten der Teilnehmer zeigte sich bereits der erste Unterschied. Die Gruppe, die das Basenpräparat einnahm, hatte eine viel höhere Konzentration des wichtigsten „Säurefängers“ im Blut, dem Bicarbonat. Auch nach der eiweißhaltigen Testmahlzeit konnte beobachtet werden, wie sein Abfall aufgefangen wurde. Durch den höheren Bicarbonat-Gehalt im Blut wird die Säure besser neutralisiert und der pH-Wert stabilisiert.

Eine weitere interessante Erkenntnis nach der vierwöchigen Einnahme war der Einfluss auf den Kohlenhydratstoffwechsel. Auch bei dieser Messung wurde deutlich, welchen Anteil der Säure-Basen-Haushalt bei der Energiegewinnung hat. Bei der Basen-Gruppe war der Prozess der Umwandlung von Nahrung in Energie günstiger. In ihrem Blut war nach der Testmahlzeit weniger Glukose (Traubenzucker) im Umlauf. Der Körper brauchte deshalb auch weniger Insulin als „Türöffner“, um den gewonnenen Traubenzucker in die Zellen zu befördern. Die geringere Insulinausschüttung stellte einen weiteren Unterschied zur Placebo-Gruppe dar.

Was macht sauer?

Ursache für eine Übersäuerung können ein überwiegender Verzehr von säurebildenden Lebensmitteln, aber auch Diäten, Bewegungsmangel und Stress sein. Im fortschreitenden Alter kommt hinzu, dass die Nierenfunktion und damit auch die Säureausscheidungskapazität abnehmen. Zusätzlich können chronische Erkrankungen den Organismus mit Säure belasten.

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Optimierung der Energiebereitstellung

Die aufwendigen Messungen im Muskelgewebe lieferten die Bestätigung, dass sich die Basen-Gabe auch direkt am Muskel positiv auswirkt. Die Ergebnisse weisen ebenfalls auf eine verbesserte Energiegewinnung und Leistungssteigerung hin. Im Gewebe konnte eine Erhöhung des pH-Wertes gemessen werden. Ein Absinken des pH-Wertes z. B. bei sportlicher Betätigung, wenn die Muskeln beginnen, „sauer“ zu reagieren, ließe sich also so besser abfangen.

Die Ergebnisse aus den Muskelmessungen zeigen nicht nur, wie Muskelkater sich vermeiden, sondern auch, wie sich die Energiebereitstellung beschleunigen lässt. Im Muskelgewebe der Gruppe, die ein Basenpräparat einnahm, wurde eine höhere Konzentration von Pyruvat nachgewiesen. Sportler lieben das Abbauprodukt aus dem Kohlenhydratstoffwechsel, weil es den Muskelaufbau und die Ausdauerfähigkeit fördert.

Die Wissenschaftler der Charité kamen zu dem Ergebnis, dass eine Basengabe den Kohlenhydratstoffwechsel verbessert und so einen positiven Einfluss auf den Energiestoffwechsel der Zelle ausübt. Ein Zusammenhang, der hilft, den Körper in stressigen Zeiten mehr zu unterstützen.